Kurz gesagt: Taster SH drücken öffnet für zehn Sekunden ein Fenster. Nur in diesem Fenster armt der Arm-Schalter SF. Ein Logical Switch vom Typ Sticky hält „gearmt“, bis SF wieder hochgeht. Nach einem Disarm bleibt das Fenster zehn Sekunden offen – wer versehentlich disarmt hat, legt SF einfach wieder um. Betaflight sieht davon nur einen ganz normalen ARM-Kanal.
Warum Prearm überhaupt?
Ein Arm-Schalter ist schnell versehentlich umgelegt: beim Herausnehmen der Funke aus der Tasche, beim Umgreifen, wenn die Drohne vor einem auf dem Tisch steht. Bei einem 5-Zoll-Kopter mit scharfen Props ist das keine Kleinigkeit. Deshalb gibt es in Betaflight den Modus PREARM: Der Arm-Schalter wirkt nur, wenn vorher ein zweiter Schalter aktiv ist.
In der Praxis hat der klassische Betaflight-Prearm drei Schwächen, die mich gestört haben:
- Zwei Dauerschalter. Entweder hält man einen Taster gedrückt, während man armt, oder man opfert einen zweiten Kippschalter, den man dann auch wieder zurücklegen muss.
- Kein schnelles Re-Arm. Wer in der Luft oder nach einem Crash versehentlich disarmt, muss den Prearm erst aus- und wieder einschalten (seit Betaflight 2025.12 gibt es dafür immerhin
prearm_allow_rearm). - Pro Kopter einzurichten. Jeder Kopter braucht dieselbe Einstellung. Bei vier Koptern ist das die vierfache Gelegenheit für Abweichungen.
Die Idee: ein Zeitfenster statt eines zweiten Schalters
Statt eines Prearm-Schalters gibt es bei mir ein Prearm-Fenster. Ein kurzer Druck auf den Taster SH öffnet es für zehn Sekunden. In dieser Zeit armt der Arm-Schalter SF ganz normal. Ist das Fenster zu, passiert beim Umlegen von SF gar nichts. Und nach einem Disarm bleibt das Fenster automatisch zehn Sekunden offen – wer versehentlich disarmt hat, legt SF einfach wieder um.
Das Ganze sitzt komplett in EdgeTX, in acht Logical Switches. Betaflight bekommt davon nur das Ergebnis: einen AUX-Kanal – einen der Zusatzkanäle, über die Betaflight Schalterstellungen empfängt –, der „armed“ oder „disarmed“ sagt. PREARM ist in Betaflight bei mir deshalb bewusst nicht eingerichtet – doppelt wäre hier nicht doppelt sicher, sondern doppelt verwirrend.
Die Logical Switches im Detail
So sieht die Kette in EdgeTX aus (Model → Logical Switches). „SF↓“ heißt Schalter SF unten, „SH↓“ heißt Taster SH gedrückt, ein „!“ davor ist die Negation. Die Verzögerung ist in EdgeTX das Feld Delay: Der Schalter wird erst wahr, wenn seine Bedingung so lange ununterbrochen erfüllt ist. Und ein Sticky-Schalter ist ein Logical Switch mit Einrast-Funktion (ausführlich hier): V1 schaltet ihn ein, V2 wieder aus, dazwischen merkt er sich den Zustand.
| LS | Funktion | V1 | V2 | Delay | Bedeutung |
|---|---|---|---|---|---|
| L3 | AND | !SH↓ | – | 10,0 s | SH seit 10 s nicht gedrückt |
| L4 | AND | !L2 | – | 10,0 s | seit 10 s disarmed |
| L14 | Sticky | SH↓ | – | – | SH seit dem Einschalten schon gedrückt |
| L5 | OR | !L3 | !L4 | – | Fenster offen – mit AND-Schalter L14 |
| L1 | AND | SF↓ | L5 | – | Arm-Wunsch im offenen Fenster |
| L2 | Sticky | L1 | !SF↓ | – | gearmt (hält, bis SF hochgeht) |
| L6 | Sticky | L2 | – | – | seit dem Einschalten schon gearmt |
| L7 | AND | !L2 | L6 | – | echter Disarm (für die Ansage) |
Der Trick steckt in L3 und L4. Beide sind „ruhige“ Zustände, die erst nach zehn Sekunden wahr werden: zehn Sekunden kein Tastendruck, zehn Sekunden disarmed. Das Fenster L5 ist offen, solange einer der beiden Ruhezustände noch nicht erreicht ist – also in den zehn Sekunden nach einem Tastendruck und in den zehn Sekunden nach einem Disarm.
Dazu kommt L14 als AND-Schalter von L5 (das Feld „AND Switch“ im Logical Switch). Ohne ihn hätte die Kette eine Lücke: Direkt nach dem Einschalten sind L3 und L4 noch keine zehn Sekunden „ruhig“, das Fenster wäre also zehn Sekunden lang offen, ohne dass jemand SH gedrückt hat. L14 ist ein Sticky-Schalter, den der erste Druck auf SH einschaltet und der bis zum Ausschalten an bleibt. Vorher bleibt das Fenster zu. Das schnelle Wieder-Armen nach einem Disarm funktioniert trotzdem, denn vor dem ersten Armen war SH ja schon gedrückt.
L2 ist der eigentliche Arm-Zustand. Als Sticky-Schalter wird er von L1 eingeschaltet und bleibt an, bis SF wieder hochgeht – egal was das Fenster macht. Übrigens bleibt das Fenster offen, solange gearmt ist (L4 kann erst zehn Sekunden nach dem Disarm „ruhig“ werden). Das ist gewollt: Wer in der Luft versehentlich disarmt, kann sofort wieder armen.
Was Betaflight davon sieht
Im Mixer legt L2 den Arm-Kanal fest: Kanal 5 (AUX1) bekommt als Quelle den Logical Switch L2. Bei mir mit Gewicht −100 – das heißt: L2 an = Kanal ganz unten, L2 aus = ganz oben. Passend dazu steht in Betaflight nur ein einziger Modus auf AUX1. In der CLI – der Textkonsole im Betaflight Configurator – sieht das so aus:
# Betaflight CLI: ARM auf AUX1, unterer Bereich
aux 0 0 0 900 1375 0 0 Armt der Kopter trotzdem nicht, sagt Betaflight dir den Grund – etwa NOPREARM, wenn noch ein alter Prearm-Modus eingetragen ist. Alle Meldungen erkläre ich in Betaflight Arming Disabled Flags.
Kein PREARM, keine zweite Bedingung. Das hat einen angenehmen Nebeneffekt: Jeder Kopter, der an diesem Funkenmodell hängt, hat automatisch dieselbe Arm-Logik. Das war für mich der Hauptgrund, alles in die Funke zu verlegen – mehr dazu im Artikel über den Flotten-Standard für mehrere Kopter.
Die Disarm-Ansage nur beim echten Disarm
Die naheliegende Special Function – „Spiele ‚disarmed‘, wenn L2 aus ist“ – hat einen nervigen Fehler: Beim Einschalten der Funke ist L2 natürlich aus, also sagt die Funke jedes Mal „disarmed“, bevor überhaupt etwas passiert ist. Nach ein paar Tagen hört man die Ansage nicht mehr – und dann ist sie wertlos.
Die Lösung sind L6 und L7. L6 ist ein zweiter Sticky-Schalter, der sich einmal auf „schon gearmt“ setzt und nie mehr zurückfällt. L7 ist wahr, wenn nicht gearmt ist und schon einmal gearmt war. An L7 hängt die Disarm-Ansage. Ergebnis: Stille beim Einschalten, eine klare Ansage bei jedem echten Disarm. Dazu kommen eine Ansage beim Armen (an L2) und eine kurze Ansage, wenn SH das Fenster öffnet, damit man hört, dass der Druck angekommen ist.
Sicherheitsnetz: was man zusätzlich einstellen sollte
- Die ersten zehn Sekunden (behoben). In der ersten Fassung dieses Artikels war das Fenster direkt nach dem Einschalten zehn Sekunden offen, weil L3 und L4 erst „ruhig“ werden müssen. Wer in dieser Zeit versehentlich an SF kam, konnte ohne Prearm armen – ich habe es selbst ausprobiert. Seit dem 30.09.2026 schließt L14 (siehe Tabelle) diese Lücke. Zusätzlich lohnt eine Schalterwarnung für SF (Model Setup → Preflight Checks, SF oben): Steht SF beim Einschalten auf „armed“, meldet die Funke das. Und Betaflight sperrt das Armen ohnehin, wenn der Arm-Schalter schon auf „armed“ steht, sobald die Verbindung zustande kommt.
- Zeit anpassen. Zehn Sekunden passen für mich, weil ich SH drücke und dann noch die Brille zurechtrücke. Wer schneller ist, nimmt fünf Sekunden.
- Im Simulator abschalten. Im Sim nervt das Fenster, weil man dort oft neu startet. Ich habe dafür einen eigenen Sim-Schalter (SW6): Ist er an, geht SF direkt auf den Arm-Kanal, die Prearm-Ansage schweigt und SH ist frei für den Reset im Simulator. Aber Vorsicht: Damit ist die ganze Prearm-Kette abgeschaltet. Der Sim-Schalter sollte deshalb beim Einschalten der Funke immer auf „aus“ starten, und bei mir leuchten die sechs Schalter-LEDs im Sim-Modus sanft rot, damit ich ihn draußen nicht übersehe.
Und die LEDs?
Weil „gearmt“ bei mir ein Logical Switch ist, kann ihn alles andere in der Funke auch nutzen. Mein LED-Skript färbt die Gimbal-Ringe damit: ruhig atmendes Blau im Disarm, Rot, sobald L2 an ist. Wie das funktioniert und wie du dir so ein Skript ohne Programmieren zusammenklickst, steht im Artikel TX16S MK3: RGB-LEDs per Lua als Statusanzeige – den passenden LED-Konfigurator gibt es hier. Alle Anleitungen zu meiner Funke: TX16S MK3 Tutorials.
Kennst du eine bessere Kette?
Wenn du eine kürzere Lösung kennst oder eine Lücke in meiner findest: ab damit in die Kommentare. Gerade bei Sicherheitsthemen lerne ich lieber von euch, als dass jemand eine Schwachstelle nachbaut.
Häufige Fragen
Was ist Prearm in Betaflight?
PREARM ist ein Modus, der aktiv sein muss, damit der ARM-Schalter überhaupt wirkt. Er soll verhindern, dass ein versehentlich umgelegter Arm-Schalter die Motoren startet. Klassisch liegt er auf einem zweiten Schalter.
Warum armt mein Quad nach dem Disarm nicht wieder?
Wer mit Betaflight-Prearm disarmt, muss den Prearm-Schalter erst aus- und wieder einschalten, bevor erneut gearmt werden kann. Ab Betaflight 2025.12 lässt sich das mit der Einstellung prearm_allow_rearm ändern. Beim Prearm in der Funke entsteht das Problem gar nicht erst.
Prearm lieber in der Funke oder in Betaflight?
In Betaflight muss es auf jedem Kopter einzeln eingerichtet werden, in der Funke gilt es sofort für alle Kopter, die das Modell nutzen – und es lässt sich mit Zeitfenstern und Ansagen kombinieren, die Betaflight nicht kennt. Doppelt eingerichtet verwirrt es mehr, als es schützt.
Was ist ein Sticky Logical Switch in EdgeTX?
Ein Logical Switch mit Einrast-Funktion: Er wird durch eine Bedingung eingeschaltet und bleibt an, bis eine zweite Bedingung ihn ausschaltet. Damit lässt sich ein Zustand wie „gearmt“ speichern, obwohl der Taster, der ihn ausgelöst hat, längst losgelassen ist.
Wie bekomme ich die Disarm-Ansage nur beim echten Disarm?
Mit einem zweiten Sticky-Schalter, der sich merkt, ob seit dem Einschalten schon einmal gearmt wurde. Die Ansage hängt an „nicht gearmt UND war schon gearmt“ – beim Einschalten der Funke bleibt sie dadurch stumm.
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